Veronika hatte ihre Eindrücke von ihrem Aufenthalt von Juli 2011 bis Dezember 2011 in Sri Lanka auch in ihrem Reiseblog geschildert.

Eindrücke einer Praktikantin - 5 Monate in Sri Lanka

 

Über einen Monat ist es nun her, dass ein Flugzeug mich von Sri Lanka zurück nach Deutschland gebracht hat.  Es ist nun lange nicht mehr merkwürdig wieder zuhause zu sein, aber dennoch denke ich fast täglich zurück an Sri Lanka.
Nur noch undeutlich kann ich mich an meine ersten Eindrücke von den Leuten, den Straßen und der Natur erinnern. Viel zu vertraut ist mir dazu in den 5 Monaten alles geworden.
Meine erste Woche hat mich Martina Lenz noch begleitet. Doch die Zeit, in der sie da war, war allzu schnell vorbei und ich war auf einmal auf mich allein gestellt.

Seitdem bin ich eigentlich jeden Morgen zu Indrani gelaufen, wo ich die meine meiste Zeit verbracht habe. Ihr Haus liegt in Thalaramba, einem Dorf im Süden Sri Lankas. Die Projekte, eine Nähstätte und ein Batikhaus, liegen in unmittelbarer Nähe. Natürlich hatte ich viel mit Indrani zu tun. Ich habe versucht ihr oder Amila, ihrem Neffen, bei der Organisation zu helfen. Wenn wieder etwas nach Deutschland gesendet wurde, habe ich mit angepackt und versucht zu kontrollieren, dass alles richtig verpackt ist und auch nichts vergessen wird. Viele Male habe ich mich zu den Frauen gesetzt, die die Mobiles und Kuscheltiere produziert haben. Und ich saß auch oft im Batikhaus, welches ja nur ein paar Meter von Indranis Haus entfernt liegt.

Zweimal die Woche bin ich etwas früher als sonst aufgestanden. Eine halbe Stunde Fahrt entfernt, im Landesinneren, umgeben von Dschungelvegetation, liegt der Nawimana Tempel, wo der Mönch Vipassi Thero lebt.
Von dort aus organisiert er Schülerpatenschaften und Fortbildungsprogramme für Lehrerinnen. Zu letzteren hat er mich immer wieder mitzukommen. Und für die Patenkinder, die in diesem Jahr ihr Abitur gemacht haben, habe ich einen Deutsch-Kurs abgehalten. Es hat mir wirklich Spaß gemacht für die kurze Zeit Lehrerin zu sein, alle Materialien eigenständig vorzubereiten und mir zu überlegen, wie ich den Unterricht abwechslungsreich, spannend und spaßig gestalten kann.
Mit den Frauen, die in den Projekten in Thalaramba als Näherinnen und Batikerinnen arbeiten, habe ich Interviews geführt und somit ein Einblick in ihr vergangenes und jetziges Leben bekommen. Durch meine Interviews konnte ich sehen wie die Menschen leben und wie einfach dieses Leben im Vergleich zu unserem oft ist. Am gewöhnungsbedürftigsten sind die sanitären Anlagen. Die Toilette ist ein einfaches Stehklo in einem kleinen Häuschen, das abseits vom Wohngebäude steht. Die Dusche kann nur ein Eimer Brunnenwasser oder auch eine Brause im Freien sein. Gekocht wird über offenem Feuer und geschlafen wird zu zweit, zu dritt, zu viert in einem Bett.
Ich habe gemerkt, dass ein einfaches Leben kein leichtes Leben ist. Die Familien haben für ihr Zuhause, für die Ausbildung ihrer Kinder oder Krankheiten viel Geld zu bezahlen. Geld das sie nicht haben, für das sie Schulden auf sich nehmen müssen. Und diese Schulden können sie aufgrund zu hoher Zinsen meist nicht mehr zurückzahlen.

Auch wenn es viele Bewohner nicht einfach haben, verlieren sie ihr Lachen nicht.
Neben der Arbeit wurde immer viel erzählt und gelacht und es war so fast immer gute Stimmung.
Eine Arbeiterin hat einmal erzählt, dass die Näherei ihr Zufluchtsort sei. Hier könne sie ihre Probleme, die sie Zuhause habe, für ein paar Stunden vergessen.
Wenn ich bei den Frauen saß, habe ich mich immer als Teil einer großen Familie gefühlt. Ich wurde hier sofort herzlich aufgenommen. „Sudu nanghi“, was auf Deutsch „weiße, kleine Schwester“ bedeutet, wurde zu meinem Spitznamen.

Neben meinem alltäglichen Wahnsinn, denn so darf man das Chaos, das gerne mal bei Indrani herrscht ruhig nennen, habe ich auch noch viel anderes erlebt.

Höhepunkte waren die Perahera, ein religiös geprägter Umzug mit Tänzern und Elefanten, die Hochzeits- und Geburtstagsfeiern, zu denen ich eingeladen wurde, oder die Ausflüge. Ob allein mit Indrani, mit ihr und ihrer Familie oder zusammen mit allen Arbeiterinnen. Wir haben die Städte und Strände wie Hambantota, Matara, Mirissa oder Galle entlang der Südküste Sri Lankas besucht.
In Colombo, der Hauptstadt Sri Lankas, waren wir auch einige Male. Meist aber nur geschäftlich und nicht zur Erholung, weshalb mir Colombo auch weniger gut gefiel.

Mein Kurztrip in den Osten des Landes war auch ein echtes Erlebnis.
Der Höhepunkt war wohl sicherlich die Eröffnung der Juniorbücherei an einer Mädchenschule, bei der ich Ehrengast war. Ich habe mich ein bisschen wie ein Prominenter gefühlt, als ich die Schulflagge hissen, eine Gedenktafel enthüllen, das Band zur kleinen Bücherei durchschneiden, eine Rede halten und viele Hände schütteln durfte.
Natürlich waren die Besuche der Al-Ashraq-Schule, des dortigen Schülerwohnheims und des Distriktkrankenhauses in Nintavur ebenso interessant.

Als sich meine Zeit in Sri Lanka dem Ende genähert hat, gab es noch eine große Überraschung für mich:  Meine Eltern kamen, um mit mir ein paar restliche Tage zu verbringen. Nach einer wunderschönen Abschiedsfeier habe ich zusammen mit ihnen das Land bereist.
Sri Lankas kulturelle und touristische Orte, wie das kalte und neblige Nuwara Eliya, den Zahntempel und die traditionellen Tänze von Kandy, das Elefantenwaisenhaus in Pinawella oder den Strand von Negombo haben mir sehr gefallen.

Ich werde diese aufregende, abwechslungsreiche und lehrreiche Zeit hoffentlich nie vergessen.

 

Verfasst von Veronika Käser