Das Gesundheitssystem Sri Lankas

 

Familienrückhalt, der die Mitglieder im Notfall auffängt. Seien es die Eltern, die ihren Kindern helfen, oder die werkstätigen Kindern, die ihren nicht mehr arbeitenden Eltern unter die Arme greifen. So in etwa stellen sich die meisten Menschen in Deutschland das Sozialsystem in vielen Entwicklungsländern vor. Die Realität sieht auch in Sri Lanka tatsächlich so aus, es ist aller Gewohnheit, der Familie zu helfen. Seit der Unabhängigkeit 1948, hat der sri lankanische Staat seinen Bürgern in Sachen Gesundheit einige Erleichterungen gebracht.

In Sri Lanka gibt es drei Arten von Krankenhäusern. Die erste Kategorie beinhaltet ländliche Krankenhäuser, Versorgungsstationen für werdende Mütter, sowie einzelne medizinische Einrichtungen. In der nächsthöheren Kategorie befinden sich die sogenannten Base Hospitals, welche die grundlegenden Abteilungen eines Krankenhauses aufweisen und somit medizinische Behandlungen in den meisten Fällen durchführen können. Stationäre Aufnahmen sind ebenfalls möglich. Besitzen diese Krankenhäuser zusätzlich noch neurologische oder kardiologische Abteilung oder sind sie in der Lage auszubilden, so werden sie in die höchste Unterteilung eingeordnet. Separat von diesen Kategorien gibt es ambulante Ayurveda und Unanikrankenhäuser, welche in den traditionellen Heilmethoden behandeln.

Charakteristikum des sri lankanischen Gesundheitssystem ist es, dass alle Behandlungen und Operationen in staatlichen Krankenhäusern, von welchen es rund 550 landesweit gibt, kostenlos sind. Natürlich bleibt dies nicht ohne Konsequenz - je nach benötigter Behandlung kann die Wartezeit für eine Operation von wenigen Tagen bis zu mehreren Jahren reichen. Ambulante Behandlungen und Arztkonsultationen finden täglich statt und können von jedem in Anspruch genommen werden. Verschriebene Medikamente sind kostenlos und werden direkt vor Ort ausgegeben.

Im Gegensatz zu den rund 150 Privatkrankenhäusern Sri Lankas, welche hauptsächlich in der Großregion Colombo, Kandy und Jaffna zu finden sind, wohnt kein Staatsbürger mehr als 5km von einem Base Hospital entfernt.

Da Behandlungen größtenteils aus Steuergeldern finanziert werden, hat das Gesundheitssystem erheblich mit Migrationsbewegungen ihrer Fachkräfte in Gegenden mit besserer Bezahlung zu kämpfen: Ärztemangel in ländlichen Gegenden, wie auch Abwanderung von Fachärzten in die westliche Welt sind bekannte Probleme. In vielen staatlichen Krankenhäusern, welche im Durchschnitt 100 Betten auf ihren Stationen haben, sind die Hälfte aller Kolleginnen der Krankenschwestern Auszubildende. Unter all diesen Umständen überrascht es nicht, das Angehörige der mittleren und oberen Einkommensklassen in ländlichen Regionen für ihre gesundheitlichen Anliegen oft Termine in großen Krankenhäusern Colombos ausmachen.

Private Möglichkeiten der Gesundheitsversicherung sind auch in Sri Lanka gegeben. Jedoch wird diese Möglichkeit eher selten genutzt. Kommt es zu einer Behandlung im Privatkrankenhaus, so werden statistisch gesehen 86% der Kosten aus eigener Tasche finanziert – der Versicherungsanteil beträgt lediglich 6%. So machen medizinische Ausgaben zwischen 8% und 10% der Ausgaben für nicht-Nahrungsmittel aus – in armen wie reichen Haushalten.

Wichtige aktuelle Gesundheitskampagnen in Sri Lanka beinhalten die Bekämpfung der Denguemoskitos, Impfungen gegen Polio sowie das Erreichen möglichst geringer Kindsbettmortalität.

 

Verfasst von Bastian Drendel

 

Statistische Quelle:

Cavagnero, E., et. al. (2014): "Health Care in Sri Lanka: What Can the Private Health Sector Offer?," In: HNP Discussion Paper: June 2014. Accessed: November 17, 2015: https://openknowledge.worldbank.org/bitstream/handle/10986/20018/899540WP0Box380th0Care0in0Sri0Lanka.pdf

 

Weitere Quellen:

Samarage, S. (2006): "Migration and Human Resources for Health: From Awareness to Action,"A Presentation at the WHO Geneve March 23-24, 2006 by the Ministry of Health of Sri Lanka. Accessed: November 17, 2015: https://www.iom.int/jahia/webdav/site/myjahiasite/shared/shared/mainsite/microsites/IDM/workshops/mhrh23240306/presentation_samarage.pdf

Interviews mit Einwohnern Nintavurs.