Nasrins Geschichte

 

Nasrin ist gut in der Schule und der Unterricht macht ihr viel Spaß. Nach all dem, was sie erlebt hat, ist das wie ein kleines Wunder. Sie besucht eine Schule in Nintavur, im Osten des Landes, die auxilio venire e.V. aufgebaut hat. Für Schüler, die keine Angehörigen mehr haben oder deren täglicher Schulweg zu weit ist, gibt es hier sogar ein Gebäude, das als Internat genutzt wird.

Die 14-jährige Nasrin ist eines der ersten Patenkinder des Patenkinder-Projekts von auxilio venire e.V. Martina Lenz, die Initiatorin des Vereins, erzählt Nasrins Lebensgeschichte:

„Am Tag des Tsunami war Nasrin mit ihren Eltern auf dem Weg zum Krankenhaus. Als die Welle kam, verlor sie beide Eltern. Sie kann sich bis heute nicht an die genauen Umstände erinnern und weiß nicht, wie sie überleben konnte. Ein befreundeter Arzt beschrieb mir das Szenario nach der Katastrophe: Auf der Straße lagen Berge von Menschen und er musste herausfinden, wer tot oder schwer verletzt war und wer gute Überlebenschancen hatte. Es gab kein medizinisches Equipment und alle standen natürlich unter Schock. Zwischen all den Menschen fand er Nasrin und nahm sie mit zu seiner Familie. Sie war damals erst sieben Jahre alt und nach einiger Zeit fand er glücklicherweise Verwandte von ihr, die sie aufnahmen. Nasrin ist sehr dankbar, dass sich ihre Verwandten um sie kümmern, obwohl sie selbst sehr arm sind. Sie kann bei ihnen wohnen und wird finanziell von ihren Paten unterstützt."

Durch Zufall erfuhr Martina Lenz von Nasrins Geschichte. „Ich habe kurz nach dem Tsunami mit Dr. Ilahi zusammengearbeitet und er stellte mir Nasrin vor. Sie hatte den Gesichtsausdruck einer Greisin und war vollkommen apathisch. Es war klar, dass sie therapeutische Unterstützung brauchte. Gemeinsam mit dem Verein entschied ich, ein Patenkinder-Projekt ins Leben zu rufen, um ihr und anderen Waisenkindern zu helfen, Schule, Nahrung und Therapien zu finanzieren. Und um den Kindern die Sicherheit zu geben, dass jemand vor Ort für sie da ist – und jemand in Deutschland an sie denkt und glaubt.“

Eine Entscheidung mit Folgen. „Wenn ich Nasrin sehe, weiß ich, dass die Patenschaften Sinn machen. Sie kann wieder lachen und einfach mal Kind sein“ sagt Martina Lenz.

Mittlerweile konnte auxilio venire e.V. auf diese Art schon mehr als 70 Kindern neue Zukunftsperspektiven ermöglicht – mit Hilfe von Patenschaften. Es gibt Kooperationen mit sieben Schulen, wovon der Verein zwei aufgebaut hat. Mit den Patengeldern werden Schulgeld, Schulmaterial, Nahrung und medizinische Versorgung der Patenkinder finanziert.