Universitätssystem in Sri Lanka

 

Abitur, studieren, in einem gut bezahlten Job durchstarten. Ein Karriereplan, der nicht nur in Deutschland beliebt ist. Sri Lankas Realität sieht jedoch um einiges komplizierter aus. Bildung ist zwar auch an einer sri lankanischen Universität kostenlos, jedoch sind die Plätze an den landesweit rund 15 staatlichen Instituten stark begrenzt.

Jedes Jahr, wenn die 350.000 angehenden sri lankanischen Abiturienten ihre A-Level Prüfungen schreiben, entbrennt ein enormer Wettkampf: Nur 25.000 von ihnen werden die Möglichkeit erhalten, im Land studieren zu können. Für jedes Fach gibt es unterschiedliche Zugangsvoraussetzungen, die besten Noten jedoch werden von angehenden Medizinstudenten erwartet. Um die Studienplätze zu vergeben, fasst die Regierung Sri Lankas jedes Jahr die besten Abiturienten jedes Regierungsbezirks in einer Liste zusammen. Anschließend vergibt sie gleichmäßig die Möglichkeit der Immatrikulation an die besten Abiturienten mit dem entsprechend gewünschten Studienfach. Doch die Wahl eines Faches an der Hochschule muss wohl überlegt sein, denn nur innerhalb der ersten 30 Tage nach Beginn des Studiums kann ein Hauptfach gewechselt werden. Danach muss das Studium entweder durchgezogen oder abgebrochen werden.

Ist die Immatrikulation erfolgreich vollzogen, sieht sich der Student oft mit dem nächsten Problem konfrontiert: dem Umzug. Denn ein Student in Sri Lanka hat in der Regel keinen Einfluss auf seinen Studienort, der überdurchschnittlich oft in der Nähe von Colombo liegt, da sich die Mehrzahl der staatlichen Unis dort befinden. Sind die Dimensionen der Insel auch nicht groß, so dauert es aufgrund schlechter Straßenverhältnisse doch bis zu neun Stunden, um von der Ost- zur Westküste zu gelangen. Auf den Studenten kommen deshalb in der Regel belastend lange Fahrten zum Studienort, zusätzliche Fahrtkosten und Kosten für die Unterkunft an der Universität hinzu. Für alle Ethnien ist es zudem auch möglich, in ein Umfeld zu gelangen in dem nicht ihre Muttersprache gesprochen wird. Um diese zusätzlichen Belastungen finanzieren zu können, hat der sri lankanische Staat ein landesweites Stipendienprogramm, sowie einige örtlich beschränkte Programme initiiert. Jedoch können nicht alle Studierenden von diesen Programmen profitieren.

Sri Lanka steht in seiner historischen Entwicklung kurz nach dem Ende eines entsetzlichen Bürgerkrieges. Viele Familien sehen sich heute mit Arbeitslosigkeit oder schlechter Vergütung konfrontiert. Die meisten Schüler wissen, dass sie nach dem Abschluss der Schule schnellstmöglich ihre Familien unterstützen sollten. Umstände, die Schulabgänger in der Regel dazu veranlassen die lukrativste, ihnen offen stehende Alternative zu wählen – egal, ob der Job ihrem Geschmack entspricht oder nicht. Hin und wieder werden diese Entscheidungen auch von den Familien forciert, andere Schüler sind freier in ihren Entscheidungen. Steht der Weg zur Universität nicht offen, lassen sich viele, aber bei weitem nicht alle, in einer kurzen Ausbildung von bis zu einem Jahr in einem handwerklichen Beruf ausbilden. Viele andere, mit oder ohne Qualifikationen, entscheiden sich für den Weg in die Golfstaaten, um für ein deutlich höheres Gehalt als in Sri Lanka zu arbeiten. Arbeit gibt es dort für alle Qualifikationsstufen: von der Haushaltsgehilfin über LKW-Fahrer bis hin zu Ingenieuren.

 

Verfasst von Bastian Drendel