Kindergarten

Schulsystem in Sri Lanka

 

Sri Lanka, ein Entwicklungsland, das durch sein Sozialsystem überrascht. Denn wie die Versorgung in staatlichen Krankenhäusern, so ist auch die Schulbildung bis zur Universität schon seit geraumer Zeit kostenlos. Im vergangenen Jahrzehnt verhalf dies zu einer Einschulungsquote von 98 %, die sich sowohl bei Jungen als auch bei Mädchen bewahrheitet. Weitere Zuschüsse staatlicher Seite betreffen Schulbücher, die bis zur 11. Klasse jedem zur Verfügung gestellt werden, wie auch die Schuluniformen. Dennoch brechen 18 % aller Schüler ihre Ausbildung bereits vor der 9. Klasse ab. Probleme, die sich nicht nur in Nintavur, sondern in ganz Sri Lanka widerspiegeln, sind der Auslöser: Familiäre Armut, die die Schüler dazu zwingt, sich am Unterhalt beteiligen zu müssen. Es sind aber auch scheinbar einfachere Probleme – lange Wege zur Schule und zu wenig Einkommen um Bus- oder Rickshagebühren bezahlen zu können. Probleme, die vor allem auch Mädchen betreffen, da sie oft aus Sicherheitsgründen nicht per Fahrrad oder zu Fuß in die Schule gehen können. Ein Monat Schulunterricht belastet die Familien pro Kind mit ca. 25 €.

In Sri Lanka gibt es vier Schultypen: die Grundschule bis zur 5. Klasse, welche mit einer ersten Prüfung abgeschlossen wird und das Junior Secondary Level bis zur 9. Klasse. Hiernach schließt sich das Senior Secondary Level bis zur 11. Klasse an, das in den Ordinary Level (O-Level) Prüfungen endet. Das Äquivalent zum deutschen Abitur bildet das Collegiate Level, welches in der 13. Klasse mit den Advanced Level (A-Level) Prüfungen abgeschlossen wird. Für jeden dieser Typen kann es eigene Schulen geben, oft finden sich jedoch mehrere Schultypen in einem Gebäude an. Für die letzten zwei Schuljahre wählen die Schüler ein Kernfach aus den naturwissenschaftlichen, künstlerischen oder wirtschaftlichen Fächern. Problematisch wird es für Schüler aus entlegeneren Gebieten, denn beinahe die Hälfte aller sri lankanischen Schulen führen nur bis zur 11. Klasse. Darüber hinaus bieten nur 18 % aller Schulen Kernfächer in Wirtschaft und künstlerischen Fächern an. Möchte ein Schüler in den Naturwissenschaften weiter lernen, so kann er sich an lediglich 6 % aller Schulen wenden.

Schüler müssen rechtlich gesehen zur Schule gehen, bis sie 18 Jahre alt sind – jedoch können O- als auch A-Level Prüfungen mehrfach wiederholt werden, um den Notendurchschnitt und somit die Chance auf eine Zulassung zur Universität zu erhöhen. Sind die Prüfungen geschrieben, vergehen jeweils drei Monate ohne Unterricht, in denen die Schüler auf ihre Ergebnisse warten müssen. Diese Zeit nutzen die Schüler je nach ihren Möglichkeiten unterschiedlich. Entweder sie beteiligen sich am Familieneinkommen, gehen sozialer Arbeit in ihrer Gemeinschaft nach oder fahren in die nächst größeren Orte, um Diplomkurse in Englisch oder IT zu besuchen um ihre Arbeitsmarktchancen zu erhöhen.

Zustand und Qualität der Schulen sind sehr unterschiedlich. Einige profitieren mehr von Regierungsunterstützung und privaten Spenden von Absolventen, andere weniger. Der Tagesablauf sieht aber überall ähnlich aus. Am Morgen versammelt sich die ganze Schule zu gemeinsamen Gymnastikübungen. Danach geht es zu neun Fächern von jeweils 40 Minuten in die Klassenräume, neben Mathematik, Tamil, Singhalesisch und Englisch werden auch Fächer wie Geschichte, Politik und diverse naturwissenschaftliche Fächer unterrichtet. Ein Lehrer unterrichtet hier ca. 20 Schüler pro Klasse. So vergeht das Schuljahr in Dritteljahren (Terms), wobei jeder Term mit Prüfungen abgeschlossen wird.

 

Verfasst von Bastian Drendel

Sämtliche statistische Angaben stammen aus:

Galappatige, A., et.al. (2008): Educational Opportunities for the Poor in Sri Lanka. Assessing Spatial Disparities. Institute of Policy Studies of Sri Lanka: Colombo.